Vortrag

Fernsehen und Computerspiele im Vorschulalter ?

Ich werde in meiner Praxis als Familientherapeutin immer wieder von Eltern gefragt, ob ein Computer im Vorschulalter nicht sinnvoll wäre, um die Kinder möglichst früh auf die Anforderungen des zukünftigen Lebens vorzubereiten.

Heutzutage gibt es eine Flut von Computerspielen die bereits für Kinder ab 2 Jahren als wertvoll angeboten werden. Da kommen natürlich viele Eltern ins Grübeln und fragen sich, wenn mein Kind dieses Angebot verabsäumt, wird ihm dann vielleicht etwas in seiner Entwicklung fehlen, hat es dann gegenüber anderen, computerspielenden Kindern sogar einen Nachteil?

Brauchen unsere Kinder in den ersten 7 Lebensjahren tatsächlich Computerspiele, sollen Kinder im Vorschulalter Fernsehen?

Der Entwicklungspsychologe Jean Piaget sagt dazu:“ Kinder in den ersten 7 Lebensjahren müssen Dinge angreifen können, verändern, von der Stelle bewegen, verbinden, in Beziehung setzen , auseinandernehmen wieder zusammensetzen, wie es etwa in der Natur mit den einfachsten Materialien möglich ist, aber auch mit den Spielsachen daheim und im Kindergarten, mit Alltagsgegenständen und in besonderer Weise mit dem Montessorimaterial.

In den ersten 7 Lebensjahren erfolgt die Entwicklung kognitiver und emotionaler Fähigkeiten in erster Linie durch direktes Erleben.

Erleben und somit Lernen durch Begreifen ist mit dem Computer unmöglich.

Die einzigen Fähigkeiten die am Computer ausgebildet werden können, sind jene, die für den Umgang mit dem Computer nötig sind. Wobei man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass in diesem Alter, nicht das Kind mit dem Computer spielt, sondern der Computer mit dem Kind…

Michael Millner, ein Grazer Kinderpsychiater warnt vor einem zu frühen Kontakt der Kinder mit Computerspielen und Fernsehen. Er spricht in seinem Buch „das Beta-Kind“ erschienen im Hans Huber-Verlag von der Alpha Welt und der Beta Welt.

Die Alpha Welt ist die reale Welt in der wir leben.

Der Begriff “Beta Welt” meint die Welt der Multimedia, die längst zu einer zweiten Realität, zu einer zweiten Welt in unserem heutigen Zeitalter geworden ist. Wir können uns ein Leben ohne Computer ohne Medien gar nicht mehr vorstellen und leben längst in einem virtuell verwalteten Globalkapitalismus.

Michael Millner beschreibt, dass das Gesendete in der

BETA WELT VEREINFACHEND, VERGRÖBERND UND PLAKATIV dargestellt wird, damit jeder alles, unabhängig von Bildung, Kulturkreis und Sozialstatus verstehen kann.

Heutzutage haben 10 – 12 jährige durch die Beta Welt alles gesehen was es an Brutalität gibt, von Pornos über Vergewaltigung bis zu den grausamsten Kriegsszenarien.

BETA WELT EREIGNISSE TREFFEN DAS KIND jedoch MITTEN IN SEINER ENTWICKLUNG, BEIM AUFBAU SEINER WIRKLICHKEIT UND HABEN DAHER EIN VIEL GRÖSSERES GEWICHT SIND DESHALB VIEL STÄRKER PRÄGEND FÜR DAS HERANWACHSENDE KIND.

WAS FÜR DEN ERWACHSENEN MIT DEM FERTIGEN UNIVERSUM IM KOPF NUR INFORMATION UND UNTERHALTUNG IST, BENÜTZT DAS KIND ZUM AUFBAU SEINER WIRKLICHKEIT.

DIE FRAGE DIE WIR UNS STELLENSSEN IST, OB WIR DAS FÜR UNSERE KINDER WOLLEN? OB WIR HIER WEGSCHAUEN, oder HIER VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN ?

Was bedeutet fernsehen oder am Computer spielen nun physiologisch für das Kind?

Kinder sind gezwungen, vor dem Fernseher oder Computer über längere Zeit still zu sitzen, und immer geradeaus zu starren. Die eigene Motorik wird auf ein Minimum reduziert.

Zwei seiner Sinneskanäle (Sehen und Hören) sind weit geöffnet, alle anderen sind still gelegt und das oft über mehrere Stunden.

ZEICHENTRICKFILME wirken auf den ersten Blick harmlos und nett. Sie sind jedoch heutzutage nicht nur unruhiger und schneller geworden, sondern auch wesentlich bösartiger und gewalttätiger, was sich vor allem in der Sprache ausdrückt, und das fällt uns meist gar nicht mehr auf.

Die eigene Sprache verstummt. So sitzen Kinder ruhig, isoliert und konzentriert, ganz auf Input geschalten vor dem bunten Guckkasten, wie es M. Millner ausdrückt. Wenn jetzt das Fernsehgerät oder der Computer abgeschalten wird, und die Beta Welt abreißt, verkehrt sich alles ins Gegenteil.

Das mit 1000 bunten Bildern, Handlungsfetzen, Actionszenen, Emotionen, Ängsten und unaufgelösten Befürchtungen vollgegossene Kind konnte sich bis dahin nicht wegrühren, nichts fragen oder antworten, nichts helfen oder verhindern, es konnte bisher nicht körperlich reagieren, nichts verändern, nicht mit eingreifen in die Handlung. Hinzu kommt, dass sich eine latente Unruhe und Unkonzentriertheit durch Fernsehkonsum bei Kindern potenziert.

Millner spricht weiters von einer emotionelle Abnützung bei Kindern die sehr früh mit dem Fernsehen begonnen haben. Das frühe Erleben von höchster Reizüberflutung macht das Kind schließlich unfähig niedrigere Stufen jemals noch genießen zu können, und es erlebt sich in der ALPHAWELT MEIST NUR NOCH GELANGWEILT.

Vorstellungskraft und Phantasie sind Höchstleistungen menschlichen Denkens.

Dies gelingt erst, wenn sich das Kind in den ersten 7 Lebensjahren durch eine Unzahl von realen Erfahrungen in der Alpha Welt in seinem Kopf ein Bild von seiner Welt aufgebaut hat.

Ohne diese ausreichenden Erfahrungen in der Alpha Welt in den ersten 7 Lebensjahren fehlt den Kindern der Boden, der Sockel, der den menschlichen Geist zu abstrakten Vorstellungen und Phantasieleistungen befähigt.

Empfohlen wird in Michael Millners Buch folgende Richtlinie was den Kontakt der Kinder mit der Beta Welt betrifft:

O – 3 Jahre: kein TV
3 – 6 Jahre: kein TV oder nur ganz selten
6 – 9 Jahre: max. ½ Std. tägl. Nicht regelmäßig
9. – 12 Jahre: 1 Std. tägl. Aber nicht regelmäßig
12 – 15 Jahre: max. 1 ½ Std. tägl. Aber nicht regelmäßig

Für Kinder in den ersten 7 Lebensjahren ist die Zeit die sie vor dem Fernseher oder vor dem Computer verbringen nicht nur verloren, sondern auch Ersatzprogramm für ihre wirklichen Bedürfnisse. Kinder mögen es viel lieber, in der realen Welt mit anderen Kindern zu spielen und gemeinsam mit ihren Eltern etwas zu erleben.

Es gibt Erlebnisse die bleiben unvergesslich.

Hier ein paar Ideen als Alternative zur virtuellen Welt:

Kinder brauchen um sich gesund zu entwickeln eine natürliche Umgebung.

Den Rhythmus der Jahreszeiten erfahren Kinder am intensivsten, wenn sie die Möglichkeit haben, sich das ganze Jahr über bei jedem Wetter draußen aufzuhalten.

Miteinander Zeit an einem Bach verbringen. Mit Becherlupe und Picknickkorb. Barfuss oder mit Gummistiefel.

Ein Stück Wiese pachten, Bäume pflanzen und

wieder einen eigenen Gemüsegarten anlegen.

Säen und ernten, kochen, backen und gemeinsam genießen.

Unter der erfahrenen Aufsicht der Väter und/oder Großväter ein offenes Feuer machen und dieses gemeinsam hüten und genießen.

Im Sommer mit Kindern im Freien übernachten und am Abend mit einem Fernglas in den Sternenhimmel schauen.

Im Morgengrauen aufstehen und zu einer Futterkrippe wandern, auf einen Hochsitz klettern und das Wild beim äsen beobachten. (Auch im Winter mit viel heißem Tee zu empfehlen.)

Was wäre das Leben ohne Musik? Warum aber immer auf Knopfdruck und nicht selber machen? Musizierende Freunde einladen, gemeinsam singen, tanzen und den Kindern dabei die Möglichkeit geben verschiedene Instrumente auszuprobieren.

Für Paare denen das Gelingen ihrer Beziehung am Herzen liegt

Ida, 7 Jahre:“ Nur wenn es meinen Eltern miteinander gut geht, geht`s mir auch gut.“

Eine funktionierende Paarbeziehung ist das Fundament einer Familie und die Familie ist eine Ursehnsucht des Menschen.

Alle Paare möchten, dass ihre Beziehung, die sie einmal miteinander eingegangen sind, gelingt und Bestand hat, schon ihren Kindern zuliebe.

Eltern sind sich meist bewusst, dass ihr konkretes Verhalten, die Qualität ihrer Interaktion und Kommunikation miteinander, für die Entwicklung ihrer Kinder zentrale Bedeutung hat.

Und doch haben viele Eltern/Paare immer wieder Schwierigkeiten im Gestalten ihrer Beziehungen. Mit Verliebtheit, großen Träumen und guten Vorsätzen fing es an, doch die Realität des Miteinanders sieht oft anders aus und oft kommen gerade dann die ersten Enttäuschungen, wenn aus einer Zweierbeziehung /Paar eine Dreierbeziehung/Familie wird.

Der Alltag vieler Eltern/ Paare wird bestimmt von beruflichen Anforderungen, von der Verantwortung für die Kinder und deren Erziehung und von persönlichen Belastungen.

Es ist ein Problem vieler Paare, dass die Partner, überwältigt vom beruflichen Alltag und den Aufgaben in ihren Familien, plötzlich kaum mehr Zeit füreinander haben.

Oft fehlen uns aber auch Vorbilder und konkrete Erfahrungen darüber, wie wir unsere Beziehungen konstruktiv und partnerschaftlich gestalten können.

Irgendwie haben wir uns verlaufen und die Liebe ist vielleicht abhanden gekommen….

Dabei sind Probleme in einer Partnerschaft normal, nur sind die meisten Menschen von ihrer Erwartung her, nicht auf Konflikte vorbereitet. Dabei ist die Bewältigung von Problemen eine sinnvolle Herausforderung für beide Partner.

Patchworkfamilie

Für Paare, die zweite Beziehungen eingehen, und vielleicht in einer Patchworkfamilie leben, ist die Gefahr besonders groß, alte Muster zu wiederholen. Gelang das Miteinander schon mit dem ersten Partner nicht, wird es mit dem zweiten nur dann gelingen, wenn man sich der eigenen Versäumnisse bewusst geworden ist, und sich gestärkt und mit Verständnis aufeinander einlässt. Hinzu kommt, dass Ruhe und Ungestörtheit in einer Patchworkfamilie für ein Paar nicht selbstverständlich vorhanden sind. Hier hat zumindest einer der beiden Partner von Anfang an elterliche Aufgaben zu leisten. Kinder gehen von ihrer kindlichen Position aus und fordern weiterhin ihr Recht auf elterliche Betreuung. Die unbeschwerte Verliebtheitsphase ist bei der Fülle von Alltagsaufgaben nur eingeschränkt möglich.

Das bedeutet für beide Partner einen Verzicht auf Zeit miteinander und auf den Reichtum partnerschaftlicher Zuwendung, den eine ungestörte Zweisamkeit mit sich bringt.

Dieser Verzicht wird meist vom Elternteil leichter erbracht, als von einem verliebten Stiefelternteil, der vielleicht noch keine Erfahrungen in der Versorgung von Kindern hat.

Ihm/Ihr könnte das Verständnis für den Aufwand fehlen, den manche Situation mit Kindern erfordert, sowie die Erfahrung der elterlichen Gebundenheit.

Partnerschule

Lieber etwas Neues mit dem jetzigen Partner lernen, als wieder Altes mit einem neuen Partner wiederholen!

Wichtig dabei:

Wir können nicht etwas Erlerntes in uns ausradieren, aber wir können etwas Neues erlernen und hinzufügen. So lautet eine Kernaussage der neurobiologischen Forschung.

Auf dieser Grundlage erklärt die Partnerschule (Gegründet von Dr. Rudolf Sanders, Hagen) schädigendes Beziehungsverhalten und zeigt neue Wege auf für ein konstruktives Miteinander.

Parnterschule ist ein Kompetenztraining für all die Paare, die ihre Partnerschaft als lebendigen Austausch verstehen, leben und gestalten möchten, um zu einem zufriedenen Miteinander zu finden, damit die Beziehung, damit Familie gelingt.


Autorin und Ansprechperson:
Petra Szammer, systemische Familientherapeutin in eigener Praxis,
Montessoripädagogin, Autorin, Gründerin und Leiterin des
Privatkindergartens „Individuelle Kinderbetreuung“ in Graz.